Kinder-Villa-Berg

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Kinder-Villa-Berg Geschichte

Wie wir wurden, was wir sind...

Hier könnnen Sie sich einen Überblick über die Geschichte der Kinder-Villa-Berg verschaffen.

Die Geschichte der Kinder-Villa-Berg bis 1977 Am Anfang war ein engagierter Arzt und sein Kampf gegen die hohe Säuglingssterblichkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Dr. Wilhelm Camerer. Im Juni 1907 konnte in der Neckarstraße in einem längst abgebrochenen Hinterhaus ein Säuglingsheim in Betrieb genommen werden.baujahr

Auf zwei Stockwerken nahm Dr. Wilhelm Camerer als leitender Arzt mit einem kleinen Team die Arbeit auf. Bald gehörte auch eine Pflegerinnenschule zur Einrichtung. Und fast genauso schnell wurden die zwei Stockwerke zu eng. Ein Neubau sollte her. Der Verein Säuglings- und Kleinkinderheilstätte Stuttgart-Berg e.V. wurde gegründet.

Durch großzügige Spenden konnte schon 1911 tatsächlich die Kinderklinik in einen beispielhaften Neubau umziehen - der heutigen Kinder-Villa-Berg. Am 4. Mai 1913 wurde das Schaffen von Dr. Camerer und seinen Helferinnen und Helfern geadelt. Die Königin von Württemberg und die bayrische Königin statteten der Kinderklinik einen Besuch ab.

Nach Ende des 1. Weltkrieges übernahm Dr. Camerer sofort wieder die Leitung der Klinik. Es folgten harte Inflationsjahre, Rücklagen gingen verloren, die Schwestern mussten auf Hamsterreise gehen, damit Kinder und Personal nicht hungern mussten. 1932 hatte das Säuglingsheim 65 Bettchen, rund 500 Neuaufnahmen konnten pro Jahr verzeichnet werden, die Säuglingssterblichkeit war deutlich zurückgegangen und Dr. Camerer war 25 Jahre im Amt.

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In der Nazizeit wurde das Säuglingsheim um einen Anbau erweitert. 1942 starb Dr. Wilhelm Camerer nach 35 Jahren Dienst an den Kindern in Stuttgart-Berg. 1943 löste sich der Verein auf, die öffentliche Hand übernahm die Klinik. In der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 1944 wurde die Kinderklinik bei einem Bombenangriff schwer beschädigt und brannte bis auf die Höhe des zweiten Geschosses ab. Der Klinikbetrieb musste nach Kirchheim unter Teck verlagert werden.

Sofort nach Kriegsende erhielt die Klinik ein Notdach und schon am 1. Oktober konnte der Klinikbetrieb wieder aufgenommen werden. Es ging allerdings eng zu in der ausgebombten Villa. Erst 1951 wurde das Gebäude aufgestockt und damit wiederhergestellt. Die Kinderklinik präsentierte sich anschließend deutlich schmuckloser und nüchterner als der Originalbau vor 50 Jahren. Der Ruf der Kinderklinik war allerdings nach wie vor ausgezeichnet. Entsprechend war auch der Andrang. Ein weiterer Anbau entstand in den 60er Jahren, eine schmucklose Baracke.

Doch bald schon ging die Auslastung der Klinik zurück, geburtenschwache Jahrgänge standen steigenden Kosten gegenüber. Dazu kam die Konkurrenz neuer Kinderkliniken in der Nachbarschaft. Schon Anfang der 70er Jahre drohte der Kinderklinik Berg das Aus.

Am 31. Dezember 1977 war es dann so weit: die letzten Kinder wurden in die Türlenstraße verlegt, die Ambulanz blieb noch einen Monat länger geöffnet, der Abschlusskurs der Pflegerinnenschüler konnte noch seine Prüfungen absolvieren. Dann war das Kapitel Kinderklinik endgültig beendet.

Der Klinikbau wurde nicht mehr gebraucht - bis Anfang der 90er Jahre. Dann fehlten im Stuttgarter Osten 550 Betreuungsplätze für Kinder, und die betroffenen Eltern begannen, sich gegen diese Missstände zu wehren. Die Elterninitiative Ost wurde gegründet.

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1992 veranstaltete die Elterninitiative Ost gemeinsam mit der KIS (Kinder im Süddeutschen Rundfunk) ein Kinderfest in den Räumen der ehemaligen Kinderklinik. Schon damals hatten engagierte Eltern das große Ziel, aus diesem Haus ein Haus für Kinder zu machen. Die Zusammenarbeit beim Kinderfest funktionierte so gut, dass sich daraus der Förderverein Kinder-Villa-Berg entwickelte, der am 17. Juni 1993 unter dem Vorsitz von Frau Gabriele Heller-Pawlicki gegründet wurde. Die erste erfolgreiche Aktion des Vereins war es, den Verkauf der Kinderklinik und der angrenzenden Grundstücke an den SDR zu verhindern. Stattdessen sollte aus der leerstehenden Kinderklinik eine Kindertagesstätte der besonderen Art entstehen - die Kinder-Villa-Berg.

Mit Energie und Enthusiasmus ging der Förderverein ans Werk, sammelte immerhin 2071 Unterschriften für seinen großen Traum und konnte diese dem damaligen Oberbürgermeister Manfred Rommel übergeben. Die Idee der Kinder-Villa-Berg wurde so in der Bevölkerung verankert. Und das beeindruckte Verwaltung und Stadtrat genauso wie das Konzept des Fördervereins für den Umbau der Klinik. Kreativ und kostenbewusst entwickelte der Verein sein Konzept für die Kinder-Villa-Berg. Gemeinsam mit dem Körperbehindertenverein wurde die Intergration behinderter Kinder festgeschrieben und damit auch die Unterstützung des Landesjugendamtes gewonnen. Frau Heller-Pawlicki führte zahllose Gespräche mit dem städtischen Jugendamt und den Entscheidungsträger. Mit beeindruckender Leidenschaft trieb sie das Projekt voran. Und nach vielen Diskussionen stimmte der Gemeinderat im Dezember 1993 dem Bau der Kindertagesstätte zu und bewilligte immerhin 2,8 Millionen D-Mark für die nötigen Baumaßnahmen.

Damit begann für den Förderverein der Kampf um Inhaltliches: wer übernimmt die Trägerschaft, wie sieht die pädagogische Konzeption der Kinder-Villa-Berg aus, wie werden die neuen Räume gestaltet? Unverdrossen kämpfte vor allem Frau Heller-Pawlicki um ihre Idee von der Kinder-Villa-Berg, und so konnte im Juni 1994 immerhin der Baubeschluss gefasst werden. Die zurückliegenden Monate hatte der Förderverein genutzt und die Werbetrommel gerührt, um für das Projekt Sponsoren an Land zu ziehen und aktiv Öffentlichkeitsarbeit zu treiben, damit Spielräume für den Um-, Aus- und Aufbau möglich wurden.

Zwei Jahre später war es so weit: die Kinder-Villa-Berg konnte im Juni 1996 eröffnet werden. Auf drei Etagen bot sie rund 100 Kindern Platz zum Toben, Spielen, Lernen, Leben.

In den folgenden fünf Jahren etablierte sich die Kinder-Villa-Berg nicht nur im Bewusstsein der Eltern, sondern auch im Stadtbild. Doch schon relativ bald stellte sich heraus, dass das Haus in der Wilhelm-Camerer-Straße rein baulich betrachtet seine besten Jahre hinter sich hatte. Eine Generalsanierung musste her. Der nächste Kampf von Eltern und Förderverein begann. Und auch dieses Engagement wurde belohnt. 2002 begann die Komplettrenovierung; die Kinder zogen mit ihren Erzieherinnen in das Provisorium Schwarenbergstraße. In der Wilhelm-Camerer-Straße wurde die Villa ausgebaut zu einer Kindertagesstätte für 154 Kinder zwischen Säuglingsalter und beginnender Pubertät. Im Sommer 2003 konnten Kinder und Team ihre Villa wieder in Besitz nehmen. Aus der leerstehenden Kinderklinik war endgültig ein Schmuckkästchen geworden. Nicht zuletzt auch deswegen, weil der Förderverein mit Geld und prima Ideen an der Gestaltung des Außenbereichs entscheidend mitgewirkt hatte. Röhrenrutsche, Geräteschuppen und andere Spielgeräte hat der Verein über Sponsoren finanziert. Studentinnen und Studenten konnten in einem Ideenwettbewerb kreativ an der Gartengestaltung mitwirken.

So wurde aus der guten Idee des Kinderarztes Wilhelm Camerer am Ende die sehr lebendige und durchaus etwas andere Kindertagesstätte: unsere Kinder-Villa-Berg.

(nach: Elmar Blessing, Ulrich Gohl: Die Geschichte der Berger Kinderklinik)

Leider musste das Außenspielgelände aufgrund der SWR-Baustelle erneut verändert werden. Wir hoffen jedoch, dass ab 2011 unsere neu zu konzipierenden Gartenanlagen zu nutzen sind und den Kindern vergleichbar gute Spiel- und Naturerfahrungen bieten.

 

Kinderkunstwerk